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MEAN TIME BETWEEN FAILURE
Über Fehler und ihre Folgen

Der Fehler gilt als Makel, als Abweichung von einem optimalen Zustand, Verfahren oder dem Richtigen. Er ist in diesem Sinne eine unerwünschte Größe, ein Irrtum und das Gegenteil eines gewollten Falles, ein Unfall. Ihm steht als Pendant der Regelfall gegenüber. Sowohl gesellschaftliche als auch technische Abläufe sind auf ein Ziel gerichtet und damit zweckorientiert. Der Fehler hingegen ist zweckfrei – er teilt diese Eigenschaft mit den Dingen der Natur und der Kunst. Ohne den Fehler sind Innovationen und Evolutionen nicht denkbar. Erst das fehlerhafte Kopieren einer Erbinformation führt zur Entwicklung neuer Arten und zur sich selbstständig optimierenden und korrgierenden Anpassung an die bestehende Natur.


 
 
 
Am Scheidepunkt des Begriffs zwischen eigentlicher Bedeutung und ihrem Zerfall oszilliert unser Gegenstand. Der notwendige oder gewünschte Fehler ist folglich Mangel und Potential zugleich und kann mit Virilio als eine kalkulierte und systemimmanente Größe verstanden werden. Im Zuge der Industrialisierung und Massenproduktion wurden verstärkt Standards, Normen und Regeln für fehlerfreie Abläufe entwickelt. Suchte die Moderne den Fehler zu vermeiden, wird in zeitgenössischen Diskursen, vor allem in der Kulturwissenschaft, ein neuer Umgang mit dem Fehler entwickelt. Über die Thematisierung des Scheiterns und des Zweifelns werden Fehler hier nicht zuletzt als ästhetische Strategien fruchtbar gemacht.

Der Ambivalenz der Begriffe und der Flüchtigkeit ihrer Bedeutungen widmen sich in ihren Vorträgen Sabine Sanio, Manuel Bonik und Clemens Niedenthal.